ForumHeilpaedagogik - Stiftung Conrado Kretz - Projekte - Behinderung

Zentren für Menschen mit Körperbehinderung
Im Jahre 2001 konnte das Behindertenzentrum in Chupa nach einer 2jährigen Planungs- und Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben werden. In Arapa wurden im Jahre 2006 in einem Gebäude der Pfarrei einige Räume umgebaut und rollstuhlgängig gemacht. Somit stehen den je ca. 40 körperlich benachteiligten Menschen beider Distrikte (Arapa und Chupa) geeignete Arbeits- und Versammlungsräume zur Verfügung. In beiden Zentren werden auch einige Schlafzimmer und sanitäre Einrichtungen angeboten.
In der Zeit von der Idee bis zur Umsetzung dieses Projektes wurden intensive Vorabklärungen getroffen. Sämtliche Behinderten wurden zu Hause besucht und ihre persönliche Situation abgeklärt. Die Art der Behinderung und ihre Bedürfnisse wurden ebenfalls notiert. In einer ersten Versammlung haben wir uns über ihre Anliegen, Ängste und Nöte ausführlich unterhalten.
Sie müssen sich vorstellen, dass die Eltern ihre behinderten Kinder meist aus Unkenntnis und falscher Scham vielfach in ihren Häusern verstecken. Dadurch fehlt einigen von ihnen die Schulbildung, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Weitere Rechte sind im Gesetz speziell für Behinderte verankert. Also bieten wir diesen Mitmenschen Gelegenheiten für:
- Schule besuchen
- Handwerke erlernen
- Basteln von Gebrauchsgegenständen
- Kurse über Nähen, Stricken, Kochen und Gartenbau
- Informationen über ihre Rechte
- Rechtsberatung und weitere Hilfestellungen in der Gesellschaft durch ausgewiesene Fachleute
Unsere Leitidee für die körperlich Behinderten hat und wird uns immer begleiten: Was könnt ihr Behinderte an Initiativen ergreifen, um auf euch aufmerksam zu machen und euch aktiv in die Gesellschaft einzubringen?
Das von Anfang an geförderte Selbstwertgefühl dieser Mitmenschen hat beide Gruppen sehr geformt. Heute gehören sie zur Gesellschaft wie wir. Bei den traditionellen Anlässen marschieren sie als Gruppe mit und pochen öffentlich auf ihre Rechte und Anliegen. Es ist eine Freude, diese Entwicklung hautnah miterleben zu dürfen.
Erste regelmässige Verkäufe von Textilprodukten und Trachtenpuppen finden auf dem Flughafen Juliaca und dem Touristenort Sillustani statt. Auch Schuhreparaturen auf dem Sonntagsmarkt von Chupa gehören zur Einnahmequelle.
Dank Ihrer tatkräftigen finanziellen Unterstützung konnte dieses Projekt realisiert werden. Wie sie sehen, hat es sich gelohnt. Die positiven Echos bekräftigen unseren Schritt. Jetzt sollen sich der Staat Peru und seine Gemeinden auch an den Kosten beteiligen. Zumindest hat der neue Präsident, Alan Garcìa, finanzielle Mittel für die Behinderten gesprochen. Wir hoffen sehr, dass es sich auch bewahrheiten wird.
Mechanische Werkstätte
Die Behinderten von Arapa und Chupa beteiligen sich regelmässig an regionalen und nationalen Sportanlässen. Leider sind die Hilfsgeräte alles andere als professionell ausgestattet. Heute können sportliche und klinische Rollstühle und Gehhilfen nur in weit entfernten Grossstädten wie z.B. Lima und Arequipa gekauft werden. Nun haben wir in Juliaca ein geeignetes Lokal gefunden für eine mechanische Werkstätte. Die nötigen Werkzeuge sind gekauft. Es gibt Werkbänke, Schweissgeräte (auch für Aluminium) sowie Sägen, Hämmer, Bohrer usw. - also das Notwendigste einer Erstausstattung. Die Behinderten können dort bereits arbeiten. Es sind derzeit täglich etwa 8 von ihnen beschäftigt. Unsere Zielformulierung: Wir körperlich Behinderten konstruieren, montieren und reparieren klinische und sportliche Rollstühle und Gehhilfen für das Departement Puno.
Doch vorerst sind die Behinderten einmal Lehrlinge. Zwei Lehrer eines Technikums wurden eigens für diese Werkstatt täglich für 3 Stunden freigestellt. Diese Zeit müssen wir dem Technikum bezahlen. Diese neue, einmalige Herausforderung für alle Beteiligten, Behinderte wie Lehrer, ist eine Chance, die es zu nutzen gilt. Sobald die körperlich Behinderten in der Lage sind, werden einige ältere Rollstühle repariert. Krücken oder andere Gehhilfen werden heute meist selber gebastelt. Sie sind aber der Behinderung nicht immer dienlich, da sie die ergonomischen Bedürfnisse kaum abdecken. Doch bis unser Ziel erreicht wird, bedarf es noch einer längeren Ausbildungszeit mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen aller.
Das Projekt ist mit einer kleinen Gruppe gestartet. Die Erfahrungen werden aufzeigen, wo noch gewisse Korrekturen anzubringen sind. Aber auch die Ausstattung wird sich laufend den Gegebenheiten anpassen müssen. Wir sind zuversichtlich, dass es vor allem den körperlich Benachteiligen Mitmenschen Lebenserleichterungen bringen wird. Selbstverständlich wollen wir ja auch diese Randgruppe von Menschen in die Gesellschaft mehr und besser integrieren.