Stiftung Conrado Kretz

Interview mit Señora Luz-Marina

Das Interview entstand anlässlich des Besuches unserer Stiftungsrätin Marianne Comtesse und Brigitta Scheiwiller in Arapa. Herzlichen Dank für Eure Arbeit und den Einblick den wir dadurch unseren Spenderinnen und Spendern bieten können.

 1. Señora Luz-Marina wie ist es dazugekommen, dass sie eine Stelle an der Schule angenommen haben?

Zunächst einmal vielen Dank an Gott für die Arbeit, die ich erhalten habe. Danke an Padre Marcos und die Directora (Franziska Schillinger, Schulleiterin), die mir die Arbeit gegeben haben.
Mein Name ist Luz-Marina Apaza Mamani.
Ich konnte keinen Beruf erlernen, aber ich habe praktische Erfahrung. Die Arbeit mit den beeinträchtigten Kindern ist nicht einfach. Nach und nach habe ich mich eingearbeitet und an die Arbeit mit den Kindern gewöhnt.

 2. In der Schule hat es schwierige Kinder. Einige können nicht sprechen. Wie ist die Arbeit mit ihnen?

Wenn ein Kind nicht sprechen kann, ist es am Anfang schwierig. Doch Schritt für Schritt, kann ich ihre Gesten und ihren Ausdruck deuten. So lerne ich sie kennen und weiss, was sie mitteilen möchten. Mit der Zeit können wir uns gegenseitig verstehen. Wir unterrichten sie mit viel Liebe und Freundschaft. Unsere Konstanz und Verlässlichkeit geben ihnen Vertrauen.

 3. Wie waren die ersten Tage an der Schule?

Die ersten Tage waren nicht einfach, weil ich noch nie mit Kindern mit speziellen Bedürfnissen gearbeitet habe. Es gibt Unterschiede zu gesunden Kindern. Ich merkte, wie sie anders lernen und sich im Alltag verhalten. Langsam gewann ich immer mehr Vertrauen und fühlte mich im Umgang mit ihnen sicherer.

 4. Wie war der Wechsel in die Schreinerei?

Im ersten Moment dachte ich, ich habe noch nie in einer Schreinerei gearbeitet und überhaupt kein Wissen und keine Erfahrungen in der Bearbeitung von Holz. Bis anhin habe ich immer mit einer grösseren Gruppe von Kindern gearbeitet.  In der Holzwerkstatt würde ich dann individuell mit einem Kind oder vielleicht 2-3 Kindern arbeiten. Doch ich fand, es könnte eine spannende Chance sein, mir das Schreinern anzueignen. Stefano und Severine, die die Holzwerkstatt eingerichtet haben, haben mich von Grund auf angelehrt. Sie haben mich sorgfältig in den Umgang mit den Maschinen eingeführt. Für mich war es dann ein Erfolg. Alles, was ich gelernt habe, teile ich jetzt mit den Kindern.

5. Kommen die Kinder gerne?

Viele Kinder kommen sehr gerne, wie Wilmer, Fanny und Reyner. Sie sind motiviert, eine praktische Tätigkeit auszuüben. Sie können hier etwas für das Leben, für die Zukunft lernen. Wenn sie dann die Schule mit 20 Jahre verlassen, haben sie ein Handwerk gelernt und können es vielleicht als Erwachsene brauchen.

6. Wie sieht ein normaler Tag in der Schule aus?

Ich komme um 9 Uhr und verlasse die Schule um 5 Uhr am Nachmittag. Wir haben eine Pause um 10.30 und das Mittagessen um 13.00 und um 15.15 nochmals eine Pause. Dann bin ich mit allen Kindern zusammen. In die Schreinerei kommt jedes Kind für 45 Minuten.

7. Was gefällt Ihnen am besten an der Schule?

Es gefällt mir, mit den Kindern zu arbeiten und mit den Kolleginnen zusammenzuarbeiten. Es freut mich sehr, wenn ein Kind ein Ziel erreicht und es etwas für die Zukunft lernt, z.B. selbständig essen.

8. Was könnten wir an der Schule verbessern?

Mehr handwerkliche Aktivitäten wären wünschenswert. Beispielsweise Nähen, Schneidern, wäre eine Tätigkeiten, die einige Schüler*innen erlernen könnten. Diese Fertigkeit würde ihnen für das spätere Leben dienen.

9. Was bedeutet die Arbeit an der Schule für ihren Alltag?

Mein Mann und ich hatten keine sichere Arbeit, weil wir keinen eigentlichen Beruf erlernen konnten. Zudem kann mein Mann nach einem Unfall nur noch eingeschränkt arbeiten. Wir sind sehr froh, dass Padre Marcos mir Arbeit verschafft. Ich habe einen 14-jährige Sohn und eine 12-jährige Tochter. Wenn ich arbeite, kann ich dazu beitragen, dass unsere Kinder eine Berufsausbildung machen können. Ich arbeite gerne, damit zu Hause nichts fehlt.

10. Was bedeutet es für sie, eine Festanstellung mit Sozialleistungen, wie Altersvorsorge und Krankenkasse zu haben?

Sind diese erwünscht und wichtig für das Personal?

Ich verstehe nicht viel von Sozialleistungen. Unter den Kolleginnen sprechen wir über die Sozialleistungen. Ich denke, diese sind wichtig. Wir hatten bisher nie eine Krankenversicherung. Bei meiner vorherigen Arbeit mit kleinen Kindern hatten wir keine Sozialleistungen und der Verdienst war gering.

11. Warum denken Sie, dass die Sozialleistungen wichtig sind? Für die Zukunft?

Die Direktorin hat mich überzeugt, dass es wichtig ist. Es gibt Sicherheit im Bereich der Gesundheit.

Señora Luz- Marina bedankt sich für das Gespräch, die Möglichkeit hier zu arbeiten und unseren Besuch in der Schule. Wir bedanken uns für ihr Engagement, dass sie sich mit Gespür und Geschick den besonderen Kindern in der Schule widmet.

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